Doch während wir uns alle noch an diese historische Leistung erinnern, stellen sich folgende Frage:
Was hat diese Entwicklung möglich gemacht?
Und welche Rolle spielen dabei die sogenannten Carbonschuhe?
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Marathon – Warum ist das die magische Distanz?
Die Geschichte des Marathons ist so alt wie die Idee, dass der Mensch Grenzen überwinden kann.
Alles begann mit einer Legende, die bis heute unser Bild von Ausdauer prägt.
Der Marathon, so die Überlieferung, geht auf einen Läufer zurück, der von der Schlacht bei Marathon nach Athen lief, um den Sieg zu verkünden – und danach tot zusammenbrach.
Doch die historische Realität ist komplexer. Tatsächlich vermischten sich über die Jahrhunderte verschiedene Berichte, bis die Distanz von etwa 40 Kilometern schließlich als Symbol für diesen mythologischen Lauf stand.
Als die modernen Olympischen Spiele 1896 in Athen stattfanden, wurde der Marathon als Disziplin eingeführt, allerdings mit einer Strecke von rund 40 Kilometern.
Erst 1908 in London wurde die heute bekannte Distanz von 42,195 Kilometern festgelegt – eine Entscheidung, die weniger mit Sport als mit royaler Bequemlichkeit zu tun hatte.
Die Ziellinie sollte vor der Loge des britischen Königs liegen, und so wurde die Strecke einfach um die fehlenden Meter verlängert.
Von 3 Stunden auf unter 2 Stunden: Die Entwicklung der Bestzeiten
Mit der Aufnahme der Marathondistanz bei den Olympischen Spielen und die Normierung auf 42,195 km begann die Jagt auf die neue Bestzeit, die bis heute anhält.
Im Jahr 1908 gewann John Hayes den ersten modernen Olympischen Marathon über 42.195 km in 2:55:18 Stunden.
Damals war die Strecke jedoch nur etwa 40 km lang. Doch schon 1925 wurde die Marke von unter 2:30 Stunden geknackt.
In nur 17 Jahren hatte sich die Bestzeit um 25 Minuten verbessert. Doch dann wurde es immer schwieriger. Es dauerte ganze 101 Jahre, bis die nächste halbe Stunde geschafft war.
Diese Entwicklung zeigt aber auch, wie sehr sich Training, Ernährung und Ausrüstung im Laufe der Zeit verbessert haben.
Anfangs liefen die Athleten mit einer Ernährung, die heute als katastrophal gelten würde: Alkohol, zu wenig Flüssigkeit und eine generell unausgewogene Zufuhr von Nährstoffen.
Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert setzte sich das Bewusstsein durch, dass eine gezielte Ernährung und Flüssigkeitszufuhr entscheidend für die Leistung sind.
Diese Erkenntnisse führten zu stetigen Verbesserungen, wenn auch in immer kleineren Schritten.
Ganz besonders wurde die „Jagt“ nach der neuen Bestzeit aber durch die Entwicklung der Carbonschuhe beflügelt.
Der Schuhersteller Nike gab alleine für sein Breaking 2 Projekt mit Eliud Kipchoge, Zersenay Tadese und Lelisa Desisa zig Millionen aus, um zu zeigen, dass die Eigenen Schuhe eine Zeit unter 2 Stunden möglich machen.
Carbonschuhe: Die Technologie hinter dem Hype
Seit Nike 2017 den ersten Schuh mit einer Carbonplatte auf den Markt brachte, hat sich die Diskussion um ihre Wirkung und ihren Einfluss auf die Leistungen der Läufer intensiviert.
Die Idee hinter diesen Schuhen ist so einfach wie genial.
Eine steife Carbonplatte in der Sohle sorgt dafür, dass der Fuß während der Abrollbewegung in eine optimierte Position gedrängt wird.
Normalerweise geht bei der Abrollbewegung Energie verloren, weil die Zehengrundgelenke zu weit gestreckt werden.
Die Carbonplatte reduziert diesen Energieverlust, indem sie den Fuß quasi wie eine Feder spannt und so den Vortrieb effizienter gestaltet.
Zusätzlich verfügen diese Schuhe über einen reaktionsfreudigen Schaum, der den Aufprall dämpft und gleichzeitig Energie zurückgibt.
Das Ergebnis ist eine verbesserte Laufökonomie, die es den Läufern ermöglicht, mit demselben Energieeinsatz schneller zu laufen oder bei gleicher Geschwindigkeit weniger zu ermüden.
Vorteile und Risiken der Carbonschuhe
Doch so verlockend diese Technologie auch klingt, sie hat ihre Tücken.
Die Veränderung der natürlichen Abrollbewegung bedeutet auch, dass die Belastung auf andere Strukturen im Fuß und Bein umverteilt wird.
Besonders die Achillessehne wird stärker beansprucht, da die Fußsohlensehne nicht mehr so stark gespannt wird wie in herkömmlichen Schuhen.
Das kann zu einem erhöhten Verletzungsrisiko führen, insbesondere bei Läufern, die bereits Vorverletzungen oder Schwächen in diesem Bereich haben.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist die Haltbarkeit dieser Schuhe.
Der in London getragene Carbonschuh von Adidas ist zum Beispiel nur für wenige Kilometer konzipiert und als absoluter Wettkampfschuh ausgelegt.
Er wiegt weniger als 100 Gramm, kostest aktuell 500 Euro und ist eher nur für leichte Läufer ausgelegt.
Wer also mehr als 80 Kilogramm wiegt, sollte besonders vorsichtig sein, da die Kräfte, die auf die Materialen wirken, die Lebensdauer des Schuhs deutlich verkürzen können.
Für wen lohnen sich Carbonschuhe wirklich?
Studien zeigen, dass der Vorteil von Carbonschuhen stark von der Laufgeschwindigkeit abhängt.
- Bei Tempi zwischen 14 und 18 km/h – also einer Pace von etwa 3:20 bis 4:17 Minuten pro Kilometer – liegt der Vorteil bei etwa 3 bis 4 Prozent.
- Bei langsameren Geschwindigkeiten, wie einer 5:00-Minuten-Pace, reduziert sich dieser Vorteil auf etwa 1,4 bis 1,5 Prozent.
- Bei einer 6:00-Minuten-Pace sind es gerade einmal 0,9 Prozent.
Für die meisten Hobbyläufer bedeutet das:
Der Nutzen ist minimal, während das Risiko von Verletzungen oder Überlastungen deutlich steigt.
Für die Spitze im Hobbyfeld und die Profiathleten hingegen kann ein solcher Schuh definitiv einen Unterschied machen.
Denn eine Zeitersparnis von ein paar Sekunden pro Kilometer kann am Ende über die neue Bestzeit oder eine bessere Platzierung entscheiden.
Die Diskussion um Carbonschuhe wirft auch ethische Fragen auf.
Sind diese Schuhe noch fair? Verzerren sie den Wettbewerb? Die Weltleitathletikverbände haben bereits Regeln eingeführt, um die Dicke der Sohlen zu begrenzen, doch die Debatte geht weiter.
Die Zukunft des Marathonlaufs
Doch unabhängig von diesen Diskussionen ist eines klar:
Die Carbonschuhe haben die Marathon-Welt verändert.
Sie haben dazu beigetragen, dass Rekorde fallen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen.
Und sie werden weiterhin eine Rolle spielen, wenn es darum geht, die Grenzen des Möglichen zu verschieben.
Besonders spannend wird es sein zu beobachten, wie sich die Bestzeiten der Frauen entwickeln.
Der aktuelle Weltrekord der Frauen liegt bei 2:09:56 Stunden, aufgestellt 2024.
Doch hier gibt es noch viel Potenzial, insbesondere wenn man bedenkt, dass Frauen erst seit den 1970er Jahren offiziell an Marathons teilnehmen dürfen.
Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden immer kleiner, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Zwei-Stunden-Marke bei den Frauen fällt.
Für die meisten von uns jedoch wird der Marathon weiterhin eine Herausforderung bleiben, die weniger mit der Technologie als mit dem eigenen Willen zu tun hat.
Carbonschuhe können helfen, aber sie sind kein Allheilmittel und manchmal sogar eher der Grund, warum Du verletzungsbedingt pausieren musst.
Ganz grundsätzlich gibt aber beim Equipment immer:
Wer nicht die nötige Grundlagenausdauer, die richtige Ernährung und ein durchdachtes Training hat, wird auch mit den besten Schuhen der Welt keine Weltrekorde brechen.
Und das ist vielleicht auch gut so. Denn am Ende geht es beim Laufen nicht nur um Zeiten und Rekorde, sondern um das Erlebnis, die eigene Entwicklung und die Freude an der Bewegung.
FAQs zu Carbonschuhen
Was sind Carbonschuhe und wie funktionieren sie?
Carbonschuhe sind Laufschuhe mit einer steifen Carbonplatte in der Sohle, die die Abrollbewegung optimiert. Dadurch wird Energie gespart, die normalerweise durch die Bewegung der Zehengrundgelenke verloren geht. Zusätzlich verfügen sie über einen hochreaktiven Schaum, der den Aufprall dämpft und Energie zurückgibt.
Wie viel schneller macht ein Carbonschuh?
Der Geschwindigkeitsvorteil hängt stark vom Tempo ab. Bei hohen Geschwindigkeiten (14–18 km/h) liegt der Vorteil bei etwa 3 bis 4 Prozent. Bei langsameren Tempi (z. B. 6:00 Minuten/km) sind es nur etwa 0,9 Prozent.
Für wen lohnen sich Carbonschuhe?
Carbonschuhe sind besonders für schnelle Läufer sinnvoll, die regelmäßig Tempi unter 4:00 Minuten pro Kilometer laufen. Für Hobbyläufer mit langsameren Tempi ist der Nutzen oft minimal, während das Verletzungsrisiko steigt.
Welche Risiken bergen Carbonschuhe?
Durch die veränderte Abrollbewegung wird die Achillessehne stärker belastet, was das Verletzungsrisiko erhöht. Zudem sind die Schuhe oft weniger haltbar und können bei falscher Nutzung schnell abgenutzt sein.
Sind Carbonschuhe im Wettkampf erlaubt?
Ja, Carbonschuhe sind im Wettkampf erlaubt, solange sie den Regeln der Weltleichtathletikverbände entsprechen. Diese begrenzen beispielsweise die Dicke der Sohle auf 40 Millimeter.
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Hinweis: All unsere Empfehlungen wurden sorgfältig ausgewählt, erarbeitet und geprüft. Sie richten sich an gesunde Erwachsene, die keine (Vor)Erkrankungen aufweisen. Keiner unserer Artikel kann oder soll Ersatz für kompetenten medizinischen Rat bieten. Bevor Du mit dem Training beginnst, konsultiere bitte einen Arzt und lass Dich durchchecken.


